Die Menschen von Gran Canaria

Es wird angenommen, dass die Besiedelung der Kanarischen Inseln in Intervallen erfolgte. Die ersten Menschen sollen sich schon zwischen 1.000 und 500 v. Chr. auf den Kanarischen Inseln und somit auch auf Gran Canaria aufgehalten haben, jedoch lassen archäologische Funde den Schluss zu, dass eine vollständige Besiedelung erst um 500 v. Chr. erfolgte. Die Ureinwohner der Kanaren werden im Allgemeinen Altkanarier genannt, oftmals aber auch
Guanchen
Guanchen

bedeutet in der Sprache der Ureinwohner Teneriffas soviel wie »Söhne Teneriffas«. Heute gebräuchliche Sammelbezeichnung der vorspanischen Bewohner des Kanarischen Archipels.

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Kulturvergleiche und Ausgrabungen von Gegenständen und Skeletten belegen, dass die ersten Siedler mit Schiffsflößen aus der Nordwestsahara gekommen sein müssen. Gründe für das Verlassen ihrer Heimat könnte die zunehmende Verwüstung der Sahara und der steigende Druck der römischen Besatzung in Nordafrika gewesen sein.
Die Altkanarier lebten in Höhlen, die sich als perfekten Schutz zu jeder Jahreszeit erwiesen und in denen sich Nahrungsmittel oder Gegenstände problemlos aufbewahren ließen. Zu diesem Anlass schlug man später mit Steinäxten Höhlenspeicher in Felswände.
Als im 14./15. Jahrhundert die Europäer die Kanaren besiedelten, bot sich ihnen eine vom Rest der Welt völlig isolierte Bauern- und Hirtenkultur, in der hauptsächlich Ziegen gehalten wurden. Gran Canaria war in zwei große Herrschaftsgebiete aufgeteilt, die jeweils von einem König regiert wurden. Die Frau spielte eine große Rolle, an sie war beispielsweise auch die Erbfolge geknüpft. Sie regierte nicht selbst, legitimierte aber durch ihre Wahl ihren Ehemann zu diesem Amt.
Die Kleidung der Altkanarier bestand aus Ziegenfellen, Bast und Palmfasern, die Werkzeuge waren primitiv.
Die Toten einer höheren sozialen Schicht wurden mumifiziert. Da ihnen allerdings weder Gehirn noch Eingeweide entnommen wurden, kam es trotz Einbalsamierung mit Ziegenbutter und Konservierung durch Hitze und Rauch recht schnell zur Verwesung.
Fundstätten lassen auf polytheistische Religionskulte schließen. Tonfiguren mit extrem herausgearbeiteten Geschlechtsmerkmalen deuten auf die Existenz eines Fruchtbarkeitskults hin. Tönerne Tierfiguren könnten auf Schutzgeister von Stämmen oder Sippen hinweisen.
Die Sprache der Altkanarier wies große Ähnlichkeit zu Berberischen Sprachen auf. Auf den Inseln wurde nicht eine einheitliche Sprache, sondern verschiedene Dialekte gesprochen. Im Laufe der Zeit gerieten diese in Vergessenheit, jedoch sind einige Ortsbezeichnungen wie Agaete, Guayadeque oder Tamadaba überliefert worden. Zur Zeit der Eroberung des Kanarischen Archipels durch die Spanier im 15. Jahrhundert existierte keine Schrift. Man stieß aber immer wieder auf Felsinschriften, die eine Art Sinnschrift abbildeten. Diese sogenannten
Petroglyphen
Petroglyphen

Bezeichnung für gravierte, geschabte oder gepickte Felsbilder aus prähistorischer Zeit.

, deren Bedeutung bis heute verschlüsselt ist, finden sich auf vielen Kanarischen Inseln.
Nach der spanischen Eroberung gab es auf den Kanaren zwei unterschiedliche Verwaltungssysteme: Gran Canaria, La Palma und Teneriffa wurden von Spaniens Krone regiert, Fuerteventura, La Gomera, El Hierro und Lanzarote hingegen standen unter Grafenherrschaften, die erst 1812 abgeschafft wurden.
Im 16./17. Jahrhundert erlangten die Inseln mit dem Anbau von Zuckerrohr auch wirtschaftliche Bedeutung, was allerdings wiederholte Piratenangriffe mit sich brachte. Des Weiteren versuchten sich Engländer, Holländer und Portugiesen an der Übernahme Las Palmas, blieben aber stets erfolglos.
In der heutigen Zeit leben auf Gran Canaria über 30 Prozent Immigranten. 2006 erlebten die Kanaren eine Einwanderungsflut illegaler Afrikaner, die täglich mit mehreren Flüchtlingsschiffen anlegten. Nach einigen Tagen in Polizeigewahrsam werden die Flüchtlinge 40 Tage lang in Auffanglagern beherbergt, bis sie dann auf das spanische Festland ausgeflogen oder in ihre Heimat zurückgeflogen werden. Viele sterben unterwegs, wenn ihr viel zu beladenes Boot sinkt und sie es mangels Kraft nicht mehr schaffen, ans kilometerentfernte Ufer zu schwimmen. Seit 2007 ist die Zahl der illegalen Flüchtlinge gesunken, da sie aufgrund verschärfter Kontrollen in Mauretanien und Marokko nun im 2.000 Kilometer südlicher gelegenen Senegal starten müssen. Man versucht inzwischen auch, die Flüchtlinge auf offener See zur Umkehr zu zwingen. In Spanien werden neun von zehn illegalen Flüchtlingen abgeschoben.
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